In St. Marien zu Hause

Husum – Wenn er die Husumer Marienkirche betritt, tut er es meistens mit einem eigenen Schlüssel. Sein erster Blick geht selten nach oben zu den gold-blinkenden Sternen an der Decke des imposanten Gotteshauses, und er muss auch nicht eine Weile in der Mitte stehen, um den Raum auf sich wirken zu lassen. Sein Blick geht eher prüfend durch den Raum: Ist noch alles in Ordnung oder blättert vielleicht irgendwo der Putz? Volker Articus geht seit 40 hier ein und aus – als Kirchengemeinderat, als Gottesdienstbesucher, als Mensch, der seine Kirche liebt. Am 1. September wird er für seinen langjährigen, ehrenamtlichen Dienst mit dem Ansgarkreuz der Nordkirche ausgezeichnet.

„Ich hab 1977 die Schwan-Apotheke von meinem Vater übernommen“, erzählt der heute 76-Jährige. Und dann lacht er ein bisschen: Denn mit der wirtschaftlichen Verantwortung für das Unternehmen wurde ihm auch die Höhe der Kirchensteuer bewusst, und er versuchte einen Deal mit dem damaligen Propst Alsen, um das Geld zweckbestimmt allein der Kirchengemeinde zukommen lassen zu können. Er habe schlicht wissen wollen, wo das Geld bleibt, erzählt Articus. Und Alsen habe ihm dann zu einer Kandidatur für den Kirchenvorstand geraten. Das war 1979. So kam das.

Der Kirchengemeinderat (KGR) von St. Marien trug über die Jahre große Verantwortung: Er führte anfangs noch eine eigene Diakoniestation, kümmerte sich um die Bahnhofsmission, leitete die Altenbegegnungsstätte (ABS) und sorgte für hochwertige Kirchenmusik mit nordfrieslandweiter Strahlkraft. „Da kamen wir in wirtschaftliche Not“, erzählt Articus, „das hat die Gemeinde und die Arbeit geprägt.“ Er gründete einen Förderverein für die ABS, dem er bis heute vorsteht, und gehörte mit seiner Apotheke immer wieder zu den verlässlichen Sponsoren für besondere Unternehmungen. In den Jahren, als die Kirchengemeinde ohne Gemeindehaus war, kam das Kirchenbüro in seinem Haus unter, und sogar der Konfirmandenunterricht und die Kirchengemeinderatssitzungen fanden hier statt. „Er ist ein Mann großer Freundlichkeit und Klarheit“, heißt es im Antragsschreiben des KGR and den Kirchenkreisrat. „Volker Articus verkörpert Kontinuität und Verlässlichkeit, gepaart mit großer Einsatzbereitschaft. Sein Wirken umfasst die Dienstzeit mehrerer Pastoren der Gemeinde. Er hat in turbulenten Zeiten viel zum Frieden in der Gemeinde und der Stadt beigetragen.“ „Ohja“, sagt Articus und lächelt, „es hat manchmal heftige Dispute gegeben.“

In diesen 40 Jahren lag ihm auch die Marienkirche sehr am Herzen. In den 1980er-Jahren gab die Kirchengemeinde eine große Renovierung in Auftrag. Damals wurde der Mittelgang wiederhergestellt, der heute so prägend für den Raumeindruck ist. Die Säulen wurden granitfarben angestrichen – eine Entscheidung, die vor wenigen Jahren revidiert wurde. Auch strukturell ändert sich vieles: St. Marien ist jetzt Teil der großen Kirchengemeinde Husum, vieles ist in Bewegung gekommen und in Schwung geraten. Und Volker Articus trägt das gerne mit.

Über die Auszeichnung freut er sich, sagt der Senior. Propst Jessen-Thiesen überreicht ihm im Gottesdienst, der um 11 Uhr beginnt, persönlich das Ansgarkreuz, und die Gemeinde gibt ein kleines Fest, um seine Dienste zu würdigen. Gleichzeitig ist die Ehrung auch ein Abschied: Gesundheitliche Probleme zwingen den Rentner, kürzer zu treten. Er legt sein Amt als Kirchengemeinderat nieder. Auch Gernot Kress wird verabschiedet, er ist an einen anderen Ort gezogen.

Und war irgendetwas besonders schön in diesen vielen Jahren? Jetzt blickt Volker Articus hoch, sieht sich die Marienkirche noch einmal an wie ein Fremder sie sich ansehen würde. „Diese Kirche“, sagt er nachdenklich, „ist mein Zuhause geworden. Das ist schön.“