Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt in der Friedenskirche

Es ist Modellprojekt und nordkirchenweit, vielleicht sogar bundesweit einzigartig: In Husum tun sich das Diakonische Werk (DW) und die Kirchengemeinde zusammen. Die Friedenskirche und das Pastorat werden in Zukunft Sitz der Sucht- und der Migrationsberatung des DW sein. Dabei geben Sie aber ihre geistliche Basis nicht auf. „Sie sind ins Gelingen verliebt“, sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt anerkennend. Sie informierte sich vor Ort über das Vorhaben und packte auch gleich tatkräftig bei der Tafelausgabe mit an, die schon seit geraumer Zeit in der Friedenskirche stattfindet.

„Kirche und Diakonie gehören ja zusammen“, sagte Volker Schümann, Geschäftsführer des DW. „Wir sind zusammen Kirche.“ Pastor Andreas Raabe ergänzte: „Wir geben die Kirche nicht auf, wir geben sie in gute Hände.“ Er erzählte der Bischöfin auch von den Hintergründen: Nach dem derzeitigen Pfarrstellenplan werden in Husum in wenigen Jahren nur noch zwei statt bisher vier Pastorinnen und Pastoren Dienst tun. Gleichzeitig sei die Kirchengemeinde mit vier Kirchen, vier Gemeindehäusern und vier Pastoraten finanziell sehr belastet. Die Idee einer Diakonie-Kirche im westlichen Husum gab es schon länger, Corona spielte dem Projekt in die Hände: Als die Tafel in die Friedenskirche einzog, erwies sich das als segensreich: Hier ist genug Platz für Lagerung und Sortierung, im Gotteshaus ist ein kleiner Supermarkt entstanden, die Kunden können mit Einkaufswagen hinein und sich geben lassen, was sie brauchen. Hinter den Paletten voll Brot und Müsli leuchtet das Glaskreuz des Altarraums, vor der Kanzel steht der Frühstückstisch für die Mitarbeitenden, und die Orgel vervollständigt das Ensemble, das vom Glauben mitten im so oft prekären Alltag erzählt. Auch in Zukunft sollen hier Gottesdienste stattfinden, und das Amtszimmer des Pastors bleibt im Gebäude. Das kommt dem Seelsorger sehr entgegen, der In einer ähnlichen Gegend wie es rund um die Friedenskirche ist, seine Aufgabe immer schon auch im sozialen Bereich gesehen hat. „Ich wäre keiner für Sylt“, sagt er lächelnd, „das hier ist schon der richtige Platz für mich.“ Er freut sich auf die neuen Möglichkeiten: Tafelandachten und Tafelfrühstück zum Beispiel, eine Feuerstelle im Garten und vor allem die Begegnungen mit den Menschen, die im Haus Hilfe und Unterstützung finden. „Das eigentliche Projekt fängt ja jetzt erst an“, sagt er.

Die Landesbischöfin hörte aufmerksam zu und ließ sich von Propst Jürgen Jessen-Thiesen die Strukturen, aber auch die Probleme erklären, die es im Vorfeld gegeben hatte. Denn normalerweise geht der Verkauf einer Kirche mit deren Entwidmung daher, in diesem Fall bleibt aber die Friedenskirche geweihtes Gotteshaus. Da habe man viele Gespräche führen müssen, bis das möglich wurde, so der Propst. Vor Ort sei das gute und über Jahre eingeübte Miteinander von Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Diakonie Voraussetzung für diesen ungewöhnlichen Schritt gewesen. „Das können wir von Ihnen lernen:“, sagte Kristina Kühnbaum-Schmidt, die sich anschließen noch Zeit für das Gespräch mit den vielen Ehrenamtlichen der Tafel nahm. „Aus gewachsenen Vertrauensbeziehungen können verlässliche Strukturen wachsen.“ Das bestärkte auch Professor Dr. Stefan Krüger als Aufsichtsratsvorsitzender des DW und stellvertretender Vorsitzender des Kirchenkreisrats.

Das Treffen in Husum steht im Zusammenhang einer Besuchsreise der Landesbischöfin zu Projekten sozialer Arbeit in der Nordkirche. Im Fokus stehen dabei Orte, in denen durch eine besonders enge Zusammenarbeit von Diakonie und örtlicher Kirchengemeinde neue Projekte entstanden sind. „Kirchliche Orte entstehen und entwickeln sich dort, wo Nächstenliebe und Barmherzigkeit gemeinsam über räumliche Grenzen hinweg praktiziert werden“, sagte sie.

Info: Die Friedenskirche war früher einmal eine Schule. Nach dem Krieg wurde sie als Reaktion auf die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen, die im westlichen Husum eine neue Heimat fanden, umgebaut, 1961 wurde sie auf Drängen des damaligen Pastors zur Kirche geweiht.  Aus den zwei Klassenräumen entstand der Kirchraum, angebaut entstand ein kleiner Altarraum mit einem Kreuz aus Glassteinen. Im ersten Stock befinden sich Gemeinschaftsräume, auf halber Treppe eine Küche. Das Pastorat mit dem Amtszimmer des Pastors ist direkt an die Kirche angeschlossen.

Text und Fotos: Inke Raabe